Virtuelles PLS

Ein dynamisches Parkleitsystem für ganz Deutschland – Konzeptpapier der Setrix GmbH

1. Ausgangssituation
Ein Parkleitsystem (PLS) informiert den Autofahrer mit Anzeigetafeln über Parkmöglichkeiten. Es gibt statische und dynamische PLS. Dynamische PLS haben den Vorteil, dass sie zusätzlich die Anzahl verfügbarer Stellflächen in Parkierungsanlagen anzeigen, damit der Autofahrer frühzeitig entscheiden kann, welches Parkhaus oder welche Parkfläche er ansteuern möchte. Da dynamische PLS relativ hohe Investitionen erfordern, wird der Nutzen immer wieder in Frage gestellt. Dabei ist die Information über freie Stellflächen eine wertvolle Hilfe, da der Parksuchverkehr verringert und ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird. Nachfolgend einige Argumente für das Pro und Contra von dynamischen PLS: Contra: Keine relevante Information für „Einheimische“:
Sie kennen sich aus, steuern ihre Parkgarage an und achten nicht auf die Anzeige freier Stellflächen. Bei besetzten Parkgaragen kennen sie Alternativen und steuern diese an. Gelegentliche Besucher der Stadt, nutzen ihre Erfahrungswerte: Besucher, die nur ab und zu in die Innenstadt fahren, steuern meist ihr gewohntes Parkhaus an. Für sie ist die Anzeige nicht relevant, solange das Parkhaus über freie Parkplätze verfügt. Nur wenn ihre Parkgarage besetzt ist und sie keine Alternative kennen, wird eine dynamische Anzeige für sie wichtig.
Fremde Autofahrer nutzen die Information nur, wenn die Parksituation kritisch ist: Auch für fremde Autofahrer ist die Information erst wichtig, wenn die Parksituation kritisch wird. Die Betreiber von Parkierungsanlagen sehen oft nur einen geringen Nutzen: Da bei vielen Parkleitsystemen die Betreiber über eine Umlage an den Betriebskosten des Parkleitsystems beteiligt werden, sehen sie nur einen geringen Nutzen, insbesondere wenn Parkraum nicht sehr knapp ist. Fazit Contra:
Warum leistet sich eine Stadt/Gemeinde ein dynamisches Parkleitsystem, wenn nur an vereinzelten Tagen und nur für einen kleinen Teil der Autofahrer diese Information wichtig ist und die Investitionen 0,5 – 1.5 Mio. € betragen? Ganz abgesehen von den Betriebskosten der dynamischen Anzeigen, die Jahr für Jahr anfallen.

Pro: Kein Parkplatzproblem in der Innenstadt: Der politische Nutzen liegt darin, den Bürgern anzuzeigen, dass kein Parkplatzproblem existiert. Für den Autofahrer hat dieser Aspekt allerdings keine Relevanz. Genügend Stellflächen für Kunden des ansässigen Einzelhandels: Wichtiger Nutzen, da freie Stellflächen ein Wirtschaftsfaktor für den Einzelhandel sind. Immer mehr Shopping Center bevorzugen Innenstadtlagen. Vermeidung von Parksuchverkehr: Frühzeitige Information vermeidet unnötiges Verkehrsaufkommen in der Innenstadt. Gerade zu Stoßzeiten und bei Veranstaltungen sind frühzeitige Informationen wichtig. Vermeidung von unnötigen Schadstoffimmissionen: Parksuchende können bei rechtzeitiger Information auf einen P+R Parkplatz am Stadtrand ausweichen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt fahren. Diese Argumente werden in Zukunft bei zunehmender Bevölkerungsdichte in Städten und erhöhten Umweltschutzauflagen an Bedeutung gewinnen. Deshalb stellt sich die Frage eines dynamische Parkleitsystem-Konzepts in allen deutschen Städten.

2. Das neue innovative dynamische Parkleitsystem (Virtuelles Parkleitsystem)
Grundsätzliches Problem mit herkömmlichen PLS: Der Autofahrer erhält die Informationen über verfügbare Stellflächen zeitlich und räumlich zu spät, d.h. wenn er sich bereits gezielt für den Innenstadtbereich oder ein einzelnes PH entschieden hat. Informationen bereits während der Fahrt helfen die Verkehrsströme wirkungsvoll umzulenken.
Die Installation flächendeckender dynamischer Anzeigen wäre mit hohen Investitionen verbunden. Auch die Flut von Verkehrs- und Anzeigeschildern würde die Übersicht für den Autofahrer nicht verbessern.

Hier setzt das Konzept des neuen virtuellen Parkleitsystems an. Die Lösung zielt auf die wirtschaftliche Einführung von Parkleitsystemen bei Kommunen und privaten Betreibern (Messe, Flughäfen, Hotels, Firmen, Sportstätten).

2.1 Die Anforderungen an das neue PLS waren:
– Informationen für die Autofahrer: rechtzeitig, aktuell und überall
– niedrige Investition
– schnelle Realisierung
– minimaler (kein) Installationsaufwand
– sicherer und zuverlässiger Dauerbetrieb
– offene Plattform

Die Investitionskosten herkömmlicher Systeme stellen die größte Hürde dar. Das Konzept muss deshalb einen ersten ,,Brückenkopf” vorsehen. Dies gilt vor allem für Städte, die bisher keine entsprechende Infrastruktur haben (Parkhäuser nicht vernetzt, kein existierendes Kabelnetz für dynamische Anzeigen). Die Erstinstallation muss einerseits preiswert sein, um überhaupt in Frage zu kommen, und andererseits genügend flexibel, damit später weitere, heute noch nicht absehbare Dienste unterstützt werden können. Außerdem sollte der heutige langjährige Planungszeitraum (geplantes PLS ist bei Einführung schon veraltet) erheblich reduziert werden.

2.2 Technische Vorzüge des neuen virtuellen PLS-Systems
Für die Kommunikation wird das Internet genutzt. Dabei werden die Parkgaragen über DSL und die Schilder ohne Kabelanschluss über GPRS (Mobilfunk) angebunden. Vorteil: Nutzung vorhandener Infrastruktur, Minimierung der Kosten, jederzeit erweiterbar. Bereits bestehende Systeme können integriert oder neue Schilderstandorte durch drahtlose Kommunikation leicht und flexibel erweitert werden. Die Information wird nicht nur über dynamische Anzeigen zum Autofahrer gebracht. Der Autofahrer kann die Informationen sowohl über sein Navigationssystem als auch über Internet jederzeit abrufen. Die Anwendung läuft im Internet auf einem für sie eingerichteten Server. Dadurch ist gewährleistet, dass kein Unberechtigter auf die Daten Zugriff hat. Betrieb, Monitoring und Datensicherung laufen automatisch. Mit dem System lassen sich neue Modelle für den Betrieb eines Parkleitsystems realisieren. Die PLS-Software ist browserbasiert; das heißt, die Bedienung des Systems kann von jedem Rechner ohne Installation erfolgen. Lediglich ein Browser, ein Internetzugang und ein gültiger Benutzername sind erforderlich. Das System bietet eine hohe Flexibilität und lässt sich optimal in die Betriebsabläufe der Stadt integrieren.

Städtische Referate für z.B. Planung und Stadtmarketing sowie die Polizei können jederzeit auf den Service zugreifen. Dabei bekommt jede Gruppe die Funktionen und Zugriffsrechte, die für ihre Aufgaben notwendig sind. Der Kreis der Berechtigten kann bei Bedarf erweitert oder reduziert werden. Neue Möglichkeiten für die Integration von Garagenbetreibern, Rundfunkanstalten und Bürgern lassen sich realisieren.

2.3 Stufenkonzept für die Errichtung des PLS in den Städten/Gemeinden Die Dienste des neuen PLS lassen sich in drei Kategorien einteilen. Bei der Realisierung kann schrittweise vorgegangen werden. Dies hilft den Planungs- und Realisierungszeitraum zu verkürzen:
1) Erfassung der freien Parkplätze im Stadtgebiet
Die Basis stellt die Erfassung des Parkplatzangebotes dar. Dazu werden die Garagen ohne neue Infrastruktur via Internet an ein übergeordnetes System angeschlossen. Die Kommune kann jederzeit herausfinden, ob genügend Parkraum zur Verfügung steht. Aus diesen Daten können Rückschlüsse für Planungen getroffen werden.
2) Anzeigen
Jede Kommune kann die Anzahl der dynamischen Anzeigen frei wählen. Im einfachen Fall kommt sie ohne dynamische Anzeige aus, die Daten werden auf elektronischem Wege jedem Autofahrer zur Verfügung gestellt. Das städtische Informationssystem wird zum Parkleitsystem für alle Besucher. Autofahrer werden über die Homepage der Stadt und den ADAC Parkinfo-Service als Schnittstelle zu mobilen Diensten und Navigationssystemen informiert und die Verkehrsströme entsprechend geleitet. Die Stadt kann auch dynamische Anzeigetafeln errichten; einfacher Fall: eine Anzeige bei Erreichen des Innenstadtbereiches. Oder umfangreicher: ein komplettes Leitsystem mit Hinweisschildern an allen Entscheidungspunkten. Das System übernimmt dann die Steuerung der Schilder.

3) Verwaltung des Systems
Die Anwendung läuft im Internet auf einem für dafür eingerichteten Server. Datensicherheit und Dauerbetrieb werden garantiert. Betrieb, Monitoring und Datensicherung laufen automatisch. Die Anwendung wird über Webbrowser von der Stadt verwaltet, kann aber auf Wunsch auch von einem Dritten betrieben werden.
München und Erlangen haben die innovative Technik zur Datenerfassung und Bereitstellung über Internet seit rund 2 Jahren im Einsatz.

3. Vorteile des neuen virtuellen PLS
3.1. Vorteile beim Vertrieb
– Verbreiterung der Basis für ADAC Parkinfo
– Möglichkeit für die Erneuerung alter Systeme
– Schnelle Realisierung
– Keine Risiken, da durchgängig positive Erfahrung über zwei große Projekte vorliegen
– Positive Auswirkung für ADAC (Mitglieder)
– Nicht nur Infrastrukturthema, sondern auch aktuelles Umwelt-/Energiethema

3.2 Vorteile für Kommunen – Keine Tiefbaukosten – Keine Investition für Zentrale, Betriebskosten sind in den Wartungskosten enthalten – Positive politische Auswirkung für den jeweiligen OB – Kurze Realisierungszeiten (z. B. Erlangen – 2 Monate)

3.3 Vorteile für Deutschland – Gerechte Verteilung der GVFG Mittel – Einfache Schnittstelle zu übergeordneten System (Internet) – ADAC Parkinfo System – Vorreiter in Deutschland (Deutscher Städtebund)

4. Kosten
4.1. Zentrale
Einmalige Kosten für die Einrichtung und Konfiguration 5.000 € (vorher 30.000 €.) Monatliche Betriebs- und Wartungskosten 450 € (vorher : 1.250 €.)
4.2. Datenübertragung Schild: 10 €/mtl. Datenvertrag GPRS Parkhaus: DSL-Anschluss: 100 € einmalig und ca. 20 €/mtl. Flatrate (Vorher: hohe Investitionskosten durch Tiefbau und Errichtungskosten durch Baustellensicherung und Verkehrsbehinderung)
4.3. Parkhaus Einmalige Investition für den Anschluss eines Parkhauses an das PLS: 5.000 €.
(Vorher: Teure Kabelanbindung an das PLS).
4.4. Schild Fundamentrahmen, Mast in Stahlbauweise, 2 Schilderzeilen mit 3-stelliger LCD Anzeige, GPRS Modem, Spatenverfahren und Montage: 6.000 €.
(Vorher: zusätzliches Datenkabel zum Schild; geschätzte Kosten ?/m € Tiefbau)

5. Fazit Das hier vorgestellte innovative PLS ist bereits erfolgreich im Einsatz. Es lässt sich schnell und mit geringen Investitionen für die PLS-Betreiber realisieren. Eine stufenweise Errichtung ist möglich.
Das virtuelle PLS bietet die Möglichkeit, das ADAC Parkinfo-Online System zu verbreiten. Da Autofahrer auf diese Weise frühzeitig aktuelle Parkinformationen überall zur Verfügung haben, trägt es dazu bei, den Parksuchverkehr zu reduzieren und den Umweltschutz nachhaltig zu unterstützen.

6. Realisierung

Die Abbildung zeigt den Aufbau und den geplanten Betrieb des neuen virtuellen PLS.

6.1. Betrieb des Systems
Für den Betrieb des PLS ist ein Stufenkonzept, vom Basissystem bis zum kompletten Betrieb eines PLS, möglich. Dies kann sowohl der Betreiber selbst, als auch ein autorisierter Dritter erbringen. Die Stufen des Betriebs umfassen: Basisbetrieb Server, Software-Wartung, Betrieb des PLS Systems, Wartung des Systems, Übernahme des Betriebs inkl. Strom und Kommunikationskosten.